taz-Dossier: Häftlinge mit psychischen Störungen

Februar 10, 2009

Der Gesundheitsentzug

Bei der psychiatrischen Behandlung von Häftlingen versagt das Justizsystem. Sie bleiben sich selbst überlassen – keine gute Voraussetzung für die Resozialisierung
Peter Reinacker, Pixelio)

Zum Stichtag 31. August 2008 zählte das Statistische Bundesamt in 194 deutschen Gefängnissen 73.203 Gefangene im offenen und geschlossenen Vollzug, darunter 3.916 Frauen. (Foto: Peter Reinacker, Pixelio)

Maik M. lebt noch. Besser gesagt: Maik M. lebt wieder. Auf der Intensivstation haben sie ganze Arbeit geleistet. Das war vor einem Monat und nun kann er darüber reden. Eine Abschieds-SMS habe er getippt, dann 8.700 mg des Antidepressivums Doxepin geschluckt, mit zwei Flaschen Bier runtergespült, dann auf´s Sofa, noch einmal umgeschaltet mit der Fernbedienung und weg war er. Genauso redet er darüber. Sein Psychiater sagt, Maik wollte ernsthaft sterben und dass seine Persönlichkeitsstörung schuld daran sei, seine Impulsivität und sein verzerrtes Selbstwertgefühl. Und dann sagt der Arzt noch: „Hätte man ihn im Gefängnis vor seiner Entlassung psychiatrisch behandelt, hätte man ihm Mittel an die Hand gegeben, mit seinen Problemen umzugehen, dann – das glaube ich fest – wäre es nicht soweit gekommen.“

Aber im Knast gab es keine Hilfe für den verurteilten Drogenhändler. So wie es für viele psychisch kranke Straftäter keine Hilfe gibt. Eine in Deutschland bislang einmalige empirische Untersuchung hat ergeben, dass  88 Prozent aller inhaftierten Straftäter an einer psychischen Erkrankung leiden…

Lesen Sie hier den kompletten taz-Report!

Lesen Sie hier das Interview zum Thema: „Psychisch kranke Straftäter haben keine Lobby“!


Aachen: Themenwoche „Motortown“

Januar 15, 2009

Avi Primor: Erst Frieden, dann Versöhnung

Eindrücke von der Podiumsdiskussion zum Thema „Nach dem Krieg“ am 14. Januar 2009 in Aachen. Die Veranstaltung ist Teil der Themenwoche „Motortown“ mit Bezug auf das gleichnamige Theaterstück von Simon Stephens (Premiere, 17. Januar 2009, Theater Aachen; Premierenkritik in der Februarausgabe des Aachener Stadtmagazins Klenkes).

Thema verfehlt, trotzdem massig gute Gründe, die Diskussionsveranstaltung „Nach dem Krieg“ im Theater Aachen als spannend und lehrreich zu bezeichnen. Im Rahmen der Themenwoche „Motortown“ ging es an diesem Mittwochabend laut Untertitel um die individuellen und gesellschaftlichen Folgen des Krieges.

mehr >>


Hintergrund

Januar 9, 2009

Der Patient als Lehrer

Die Palliativmedizin wird immer wichtiger – doch in der Ausbildung spielt sie bisher kaum eine Rolle

Die Studenten haben Angst. Sie befinden sich auf Augenhöhe mit der Unheilbarkeit. Für einen angehenden Arzt ist das eigentlich eine verkehrte Welt. Er will Hoffnung bringen, Besserung versprechen. Deshalb studiert er. Während seiner Ausbildung wird ihm beigebracht, was medizinisch machbar ist. Der Glaube an den Fortschritt nährt die Haltung, dass das Machbare kaum Grenzen kennt.

Lutz Bernhardt)

Zwei Wochen hat Anita Helm auf der Station gearbeitet. In dieser Zeit sind vier Menschen gestorben. "Ich habe mehr gelernt, als auf den anderen Stationen." (Foto: Lutz Bernhardt)

Auf der Palliativstation des Aachener Universitätsklinikums erfahren die Studenten, was alles möglich wird, wenn kurativ nichts mehr zu machen ist – wenn ein Mensch stirbt. Das Verb ,,palliare‘‘ ist lateinisch und bedeutet ,,mit einem Mantel umhüllen‘‘. Ziel einer palliativen Behandlung ist in erster Linie die Kontrolle von Symptomen, von Schmerzen, Luftnot und Übelkeit. Im Vordergrund steht die Lebensqualität eines Menschen, nicht die Lebensdauer. Oder mit den Worten von Cicely Saunders, der Begründerin der modernen Hospizbewegung: Dem Leben sollen nicht mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben gegeben werden.

Das Praktikum ,,Der Patient als Lehrer‘‘ ist Teil des ,,Qualifikationsprofils Palliativmedizin‘‘. Es besteht aus Vorlesungen, Seminaren mit Video-Dokumentationen von Patienten und Praxismodulen zu Schmerztherapie, Kommunikation, Trauer und Ethik. Die Idee, einen Patienten über mehrere Wochen von einem Studenten begleiten zu lassen, hat Privatdozent Frank Elsner aus den USA von der Harvard Medical School mitgebracht. ,,Wir bieten das Praktikum ab dem vierten Semester an. Der Student trifft den Patienten je nach dessen Verfassung hier bei uns auf der Station, im Hospiz oder zu Hause‘‘, sagt Elsner.

(veröffentlicht in Süddeutsche Zeitung, Beruf & Karriere)

mehr >>


Rundfunkbeitrag

Januar 7, 2009

Jung und obdachlos

Senkt Hartz4 den Altersdurchschnitt in Notunterkünften?
Pixelio, schubalu)

Treibt Hartz4 junge Menschen in die Wohnungslosigkeit? – So einfach ist das nicht, sagen die Sozialarbeiter. (Foto: Pixelio, schubalu)

Den langbärtigen Obdachlosen, eingehüllt in mehrere Schichten alter Kleidung, womöglich noch begleitet von Hunden, diesen klischeehaften Clochard sieht man immer seltener. Tatsächlich vollzieht sich auf der Straße und in den Obdachlosenheimen seit einigen Jahren ein richtiger Generationswechsel. Immer mehr junge Menschen suchen ein Bett und ein warmes Essen in sogenannten Notunterkünften. Ein Besuch in einer Einrichtung in Aachen. (WDR, Funkhaus Europa – Piazza, Das aktuelle Mittagsmagazin)

mehr>>


Reportage

Januar 6, 2009

Das Schaufelrad im Nacken

Die Tagebaue in NRW sind für Archäologen ein Eldorado – das für immer zerstört wird.
mompl)

Der Bagger kommt – Die Archäologen untersuchen jeden Streifen, der weggeschaufelt werden soll. (Foto: Pixelio, Fotograf: mompl)

Wenn sich ein Archäologe mit Maurerkelle und Schäufelchen an eine Ausgrabung macht, wünscht er sich ausreichend Zeit – die er normalerweise nicht hat. Ganz extrem ist das im Braunkohlerevier, genauer gesagt an den Tagebauen Garzweiler und Inden. Hier geben die riesigen Braunkohlebagger die Geschwindigkeit vor. Die Archäologen der Außenstelle Titz des LVR haben ständig das Schaufelrad im Nacken – was sie heute nicht finden, kann morgen schon für immer verloren sein. (WDR5, Thema NRW, 2. Januar 2009)

mehr>>


Rundfunkbeitrag

Januar 6, 2009

Mit dem Geld der Scheichs

Internationale Patienten sind in Deutschland willkommen – sie sind ein gutes Geschäft
BenXN)

Gut versorgt: Das International Office am Uniklinikum Aachen betreut die Patienten aus dem Ausland. (Foto: Pixelio, Fotograf: BenXN)

Aus dem Ausland kommen jährlich 74.000 Menschen an deutsche Krankenhäuser, um sich hier behandeln zu lassen. Die meisten dieser Patienten kommen aus Russland und aus den Golfstaaten. Und sie bringen sehr viel Geld mit – entweder sind sie selbst sehr reich oder ihre Heimatstaaten zahlen den kompletten Aufenthalt und die Behandlung. Viele versprechen sich von den Patienten aus der Ferne ein gutes Geschäft. Sie selbst wollen in der Regel nur schnell gesund werden. Ein Beispiel von einem Patienten am Aachener Uniklinikum (WDR5, Profit – Das Wirtschaftsmagazin).

Beitrag hören!

Außerdem: Russische Patienten am Uniklinikum Aachen, TV-Reportage von Lutz Bernhardt und Jürgen Spreemann (WDR, Lokalzeit Aachen)


theater aachen – KLENKES Titelgeschichte 12/08

Dezember 1, 2008

Das Ich und das Ihr

Mit der Musik-Theater-Installation „Terror.Revolte.Glück.“ fragt das Theater Aachen nach Recht und Unrecht bei der Suche nach dem eigenen Glück. Ein Vorbericht. ( KLENKES, 12/08 )
"Terror.Revolte.Glück." Der KLENKES-Titel zeigt eine fast 30 Jahre alte Aufnahme von Annett Monheim, fotografiert von Jo Magrean.

"Terror.Revolte.Glück." Der KLENKES-Titel zeigt eine fast 30 Jahre alte Aufnahme von Annett Monheim, fotografiert von Jo Magrean.

Darin kann man sich verlieren. Sternenkarten, von John Cage übersetzt in Tonfolgen. Ein Kurzbesuch im Prag der 30er Jahre, ein Zimmer mit einem einsamen Mensch auf dem Bett, geflutet von Biographien, die durchs Fenster stürzen, auf Tschechisch. Ein 14-Jähriger, gefoltert mit Stromstößen. Dazu spielt ein Orchester Piazzollas Tango „Milonga del Angel“. Die Choreographie dazu wurde geschrieben von einer Frau, deren Schwester von der argentinischen Militärjunta ausgelöscht wurde. Im Treppenhaus: die jüngere Aachener Geschichte; eine Wiederkehr der Hausbesetzer, Wandmalereien von Klaus Paier, ein Basswummern im legendären UKW-Klub. Punks und New Wave, dokumentiert von Jo Magrean, ein Zeitsprung in das Jahr 1982.

Weiter lesen >>


Reportage

November 4, 2008

Nie wieder darf Massada fallen!

Junge Israelis zwischen Gewissen und Vaterlandsliebe
Nicholas Brautlecht)

Viele junge Israelis wollen mit dem Militärdienst ihrem Land etwas zurückgeben. So wie die 18-jährige Shachar (r.) beim Armeesender Radio Galei Zahal. (Foto: Nicholas Brautlecht)

Aus Jaffa und Haifa – Die Wache steht nicht stramm. Der Eingang zu Israels beliebtestem Jugendsender wird von einem jungen Mann kontrolliert. Roter Flaumbart, die Hose hängt tief im Schritt, das alte AK 47-Sturmgewehr liegt auf seinem Stuhl. Wer hier ein und ausgeht, trägt olivgrüne Uniform: Radio Galei Zahal ist ein Armeesender. Auf den engen Gängen und Treppen schieben sich die Soldaten aneinander vorbei, die Schreibtische sind überbelegt und überall Manuskripte, Ordner, Kaffeetassen, redaktionelle Betriebsamkeit. Und gute Laune. Wer hier arbeiten darf, ist jung und muss nicht kämpfen.

Reportage lesen oder Beitrag hören!


Reportage

November 3, 2008

Die Heimatbauer

In der Eifel werkeln sie gegen das Vergessen
Sabine Edel)

In der Kirchenruine: Heribert Keutgen (rechts) lässt den Wacholderschnaps kreisen und erzählt von alten Zeiten. (Foto: Sabine Edel)

Die Bewohner des Eifeldorfs Wollseifen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg von den Alliierten aus ihrem Ort verjagt. Die britische Armee nutze das Dorf als Zielscheibe für die Artillerie.  Jetzt, nach sechs Jahrzehnten, sind einige wieder da: Sie bauen die alte Pfarrkirche wieder auf. ( Erschienen in der taz, 14.8.2008 ) mehr >>


Rundfunkbeitrag

November 1, 2008

Letzte Station für arbeitslose Jugendliche

Eins, zwei, drei – arm. Beinahe jeder vierte Jugendliche in Deutschland lebt in Armut. Das sind insgesamt 2,4 Millionen junge Menschen. Besonders schlimm trifft es diejenigen, die keinen Schulabschluss haben, denn sie geraten sehr früh in einen Teufelskreis: die Jobsuche ist so gut wie aussichtslos, jede Motivation geht verloren und ohne dass die Gesellschaft es richtig mitbekommt, fallen sie durchs Raster. Diesen Jugendlichen sollen deutschlandweit etwa 200 Kompetenzagenturen helfen, zum Beispiel auch in Aachen. Lutz Bernhardt hat die Beratungsstelle besucht. ( WDR5, Profit, Sendung vom 28.6.2008 ) mehr