Hintergrund

Der Patient als Lehrer

Die Palliativmedizin wird immer wichtiger – doch in der Ausbildung spielt sie bisher kaum eine Rolle

Die Studenten haben Angst. Sie befinden sich auf Augenhöhe mit der Unheilbarkeit. Für einen angehenden Arzt ist das eigentlich eine verkehrte Welt. Er will Hoffnung bringen, Besserung versprechen. Deshalb studiert er. Während seiner Ausbildung wird ihm beigebracht, was medizinisch machbar ist. Der Glaube an den Fortschritt nährt die Haltung, dass das Machbare kaum Grenzen kennt.

Lutz Bernhardt)
Zwei Wochen hat Anita Helm auf der Station gearbeitet. In dieser Zeit sind vier Menschen gestorben. "Ich habe mehr gelernt, als auf den anderen Stationen." (Foto: Lutz Bernhardt)

Auf der Palliativstation des Aachener Universitätsklinikums erfahren die Studenten, was alles möglich wird, wenn kurativ nichts mehr zu machen ist – wenn ein Mensch stirbt. Das Verb ,,palliare‘‘ ist lateinisch und bedeutet ,,mit einem Mantel umhüllen‘‘. Ziel einer palliativen Behandlung ist in erster Linie die Kontrolle von Symptomen, von Schmerzen, Luftnot und Übelkeit. Im Vordergrund steht die Lebensqualität eines Menschen, nicht die Lebensdauer. Oder mit den Worten von Cicely Saunders, der Begründerin der modernen Hospizbewegung: Dem Leben sollen nicht mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben gegeben werden.

Das Praktikum ,,Der Patient als Lehrer‘‘ ist Teil des ,,Qualifikationsprofils Palliativmedizin‘‘. Es besteht aus Vorlesungen, Seminaren mit Video-Dokumentationen von Patienten und Praxismodulen zu Schmerztherapie, Kommunikation, Trauer und Ethik. Die Idee, einen Patienten über mehrere Wochen von einem Studenten begleiten zu lassen, hat Privatdozent Frank Elsner aus den USA von der Harvard Medical School mitgebracht. ,,Wir bieten das Praktikum ab dem vierten Semester an. Der Student trifft den Patienten je nach dessen Verfassung hier bei uns auf der Station, im Hospiz oder zu Hause‘‘, sagt Elsner.

(veröffentlicht in Süddeutsche Zeitung, Beruf & Karriere)

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